Scham – eine Einführung
Scham – eine Einführung
复制标题
Scham – eine Einführung
DOI:
--
复制
发表时间:
2009
期刊:
影响因子:
--
通讯作者:
C. Thompson
中科院分区:
文献类型:
--
作者:
A. Schäfer;C. Thompson
Das Gefühl der Scham drängt sich mit unmittelbarer Gewalt auf. Es gibt kein Entrinnen: Der Boden, in dem man versinken möchte, tut sich nicht auf. Das unmittelbare Auftreten des Schamgefühls verweist darauf, dass es durch bewusste Anstrengung nicht vermieden werden kann, egal wie vorsichtig man ist. Und wenn das Schamgefühl auftritt, ist seine Kontrolle fast unmöglich. Der Scham ist man ausgeliefert. In einer ersten Annäherung kann man sagen, dass das Auftreten des Schamgefühls an die Wahrnehmung eines Selbstverlustes gebunden ist: Das Individuum nimmt sein Scheitern wahr – bezogen auf ein für es als wichtig eingeschätztes Selbstbild. Es wird deutlich, dass man jetzt – in dieser Situation – nicht so ist, wie man sein möchte. Dabei kann das Bild dessen, was man sein möchte, durchaus unterschiedlich bestimmt sein. Dieses Bild kann sich auf das Aussehen, auf soziale Konventionen oder auch auf moralische Imperative beziehen. Hinsichtlich dieses Bildes ist außerdem zu sagen, dass ihm eine Bedeutung und Verbindlichkeit unterstellt wird, die von den anderen Mitgliedern der sozialen Umgebung geteilt wird. Im Schamgefühl offenbart sich daher nicht nur der Verlust des eigenen Selbstbildes, sondern zugleich die Verbindlichkeit der Perspektive der Anderen, welche diese Situation ebenfalls als Scheitern des eigenen Selbst wahrnehmen. Dabei ist es nicht einmal erforderlich, dass die Anderen der Situation beiwohnen: Es reicht oftmals die Vorstellung ihrer Anwesenheit. Ernst Tugendhat bestimmt daher das Schamgefühl als ein „Gefühl des Selbstverlustes in den Augen der (möglichen) anderen“. Beim Auftreten von Scham verschränken sich also verschiedene Verhältnisse. Da ist erstens das Verhältnis des Individuums zu sich