Warum der Ausbau der Europäischen Union zu einer supranationalen Demokratie nötig und wie er möglich ist
Warum der Ausbau der Europäischen Union zu einer supranationalen Demokratie nötig und wie er möglich ist
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欧洲联盟建立超国家民主联盟的战争
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发表时间:
2014
期刊:
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通讯作者:
J. Habermas
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作者:
J. Habermas
Auf der Kurve des konjunkturellen Abschwungs gibt es einen Punkt, den man erst retrospektiv bemerkt – wenn es schon zu spät ist. An diesem Punkt halten sich bei der angespannten Kalkulation der Risiken wache Reaktionsbereitschaft und Furcht noch die Waage. Dies ist der Augenblick der Unentschiedenheit zwischen einer intelligenten Erweiterung des Zukunftshorizonts und dem erschrockenen Einschrumpfen der Perspektive auf das jeweils eigene Revier. In der brisanten Lage, in der sich die Europäische Union heute sowohl politisch wie ökonomisch befindet, ist der Clinch zwischen den beiden auf Gedeih und Verderb zur Kooperation gezwungenen Führungsnationen, Deutschland und Frankreich, ein böses Omen. Die Bundesregierung verweigert die im eigenen Interesse überfällige Solidarität.2 Sie ringt sich nicht dazu durch, ihre hartleibig oktroyierte Sparpolitik wenigstens jetzt, da selbst die linientreuen Ökonomen im eigenen Land nach Investitionen rufen, zu korrigieren. Die französische Regierung fordert diese Solidarität mit Recht ein, aber in der Absicht einer technokratischen Abstimmung von nationalen Politiken aufeinander: Die Regierungschefs sollen sich auf deals einigen, auf 50 Milliarden Einsparung der einen Seite gegen 50 Milliarden Investitionen der anderen. So blockieren sich beide Seiten. Die eine Seite verweigert die gebotene Solidarität, die andere den Preis für einen solchen Politikwechsel, indem sie sich an die längst ausgehöhlte nationalstaatliche Souveränität klammert. Denn ohne die Übertragung weiterer Souveränitätsrechte ist eine demokratisch legitimierte Vergemeinschaftung der Konsequenzen gemeinsamer Fiskal-, Wirtschaftsund Soziapolitiken nicht zu haben. Aber lässt sich denn das demokratische Verfahren zur Legitimation von Herrschaft, das bisher nur im Rahmen von Nationalstaaten etabliert ist, über nationale Grenzen hinaus verlängern? Kann die Europäische Union überhaupt die Gestalt einer supranationalen und überstaatlichen Demokratie annehmen?3 Dieser Weg zu einer Transnationalisierung der Demokratie drängt sich heute mehr denn je auf, weil die nationalstaatlichen Demokratien immer stärker in den Strudel von Problemen geraten, die aus dem Missverhältnis zwischen einer systemisch zusammenwachsenden Weltgesellschaft und der nach wie vor unveränderten Fragmentierung der Staa-