Glaube und „Unmittelbarkeit“ bei Kierkegaard
Glaube und „Unmittelbarkeit“ bei Kierkegaard
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DOI:
10.1515/9783110223026.391
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发表时间:
2010-01
期刊:
影响因子:
--
通讯作者:
G. Schreiber
中科院分区:
文献类型:
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作者:
G. Schreiber
This paper examines KierkegaardÌs varied use of the term “immediacy” with regard to his account of Christian faith. In Section 1, I will define the term “immediacy” with respect both to its ambiguity and to the different ways in which it is used, i. e., as an epistemological and as an ontological assumption. In Section 2, I will try to outline how KierkegaardÌs peculiar account of faith as “immediacy” can be located within the context of his time, namely as part of a general effort in the philosophy and theology of the “Pre-March Era” [Vormrz] to (re)establish immediacies that were not susceptible of mediation – in contrast to HegelÌs dialectic, which had implemented continuous mediation of all immediacies. In the first part of Section 3, however, I want to show that Hegel himself cannot be considered as an actual target of KierkegaardÌs criticism – that is, that in the philosophy and theology of KierkegaardÌs time, faith was conceived of only as an indeterminate immediacy, and was hence the first to be mediated, inasmuch as Hegel himself, as a matter of fact, considered faith to be a mediated immediacy. Finally, in the second and third part of Section 3, I wish to demonstrate how it is precisely the different (possible) ways of using the term “immediacy” that can provide a hermeneutic key for an understanding of KierkegaardÌs account of faith. Was „Unmittelbarkeit“ bedeuten soll, leuchtet keineswegs unmittelbar ein. Dies gilt auch fðr Søren Kierkegaards schillernden Gebrauch dieses Ausdrucks, den ich in diesem Beitrag mit Rðcksicht auf Kierkegaards Verstndnis des christlichen Glaubens untersuchen mçchte. Zuvor soll jedoch der an sich vieldeutige Terminus „Unmittelbarkeit“ systematisch erschlossen und Kierkegaards Deutung des Glaubens als „Unmittelbarkeit“ im geistesgeschichtlichen Kontext seiner Zeit verortet werden. 1. Der Terminus „Unmittelbarkeit“ – Systematische Erschließung Die Schwierigkeiten bei der Bestimmung dessen, was unter „Unmittelbarkeit“ („unmittelbar“ von gr. %lesor, lat. immediatus) zu verstehen ist, rðhren nicht zuletzt daher, dass es sich dabei um einen negativenAusdruck handelt, der nichts darðber aussagt, was er positiv beschreibt. Als „unmittelbar“wird in derAlltagssprache eine direkteBeziehung zweierRelate bezeichnet, die ohne weiteres erfolgt und nicht durch ein Drittes vermittelt ist. Unmittelbarkeit in diesem Sinne bedeutet unverstellte „Gegenwrtigkeit und Prsenz“, insofern sie „gleichsam denBerðhrungspunktmit der Oberflche“ von etwas uns rumlich und zeitlich Prsentem bezeichnet, von dem wir uns ergreifen lassen oder das wir selbst ergreifen. Ein Unmittelbares kann aber auch etwas sein, das, eben weil es nicht vermittelt ist, uns unmittelbar im Sinne von ,un-zugnglichÍ ist, da es sich selbst genðgt und identisch auf sich selbst bezogen ist und bleibt. Unmittelbarkeit in diesem Sinne bedeutet dann „gleichsam die Oberflche, die ein Selbst einschließt: Wir kçnnen sie berðhren, aber nicht durchdringen“. Diese beiden Bedeutungen von „Unmittelbarkeit“ als bestimmte Annahmen ðber Relationen kommen nun auch bei der erkenntnistheore1 Eine wesentliche Grundlage dieses Abschnittes bildet die hervorragende Einfðhrung in den Terminus „Unmittelbarkeit“ und seine Geschichte von Andreas Arndt Unmittelbarkeit, Bielefeld 2004, S. 6–18. Da es sich bei „Unmittelbarkeit“ um keinen „wohl definierten Begriff, sondern um Konzeptionen [handelt], die Annahmen ðber Relationen enthalten“ (ibid., S. 7), soll im Folgenden von „Unmittelbarkeit“ stets als „Terminus“ oder „Ausdruck“ gesprochen werden. Dabei geht es mir hier primr um die sich von seiner alltagssprachlichen Verwendung her erschließende erkenntnistheoretische Verwendung sowie um die im Zuge seiner „metaphysischen Transformation“ (ibid., S. 8) aufgekommene ontologische Verwendung dieses Ausdrucks, whrend im 2. Abschnitt dieses Beitrages zudem die Verwendung von „Unmittelbarkeit“ in Hegels Logik skizziert werden soll. Zum vielfltigen Gebrauch von „Unmittelbarkeit“, wie z.B. im sthetischen, rechtlichen oder hermeneutischen Kontext, vgl. Andreas Arndt „Unmittelbarkeit“ in Historisches Wçrterbuch der Philosophie, Bd. 11 (2001), Sp. 236–241. 2 Vgl. Joachim Heinrich Campe Wçrterbuch der deutschen Sprache, Bd. 1–5, Braunschweig 1807–1811, Bd. 5 (1811), S. 176 (s. v. „unmittelbar“), wo „unmittelbar“ als „nichtmittelbar, nicht durch gebrauchteMittel, ohneDazwischenkunft eines dritten Dinges“ definiert ist. Vgl. auch Jacob Grimm / Wilhelm Grimm Deutsches Wçrterbuch, 32 Teilbnde, Leipzig 1854–1960, Bd. 12, Sp. 1184–1187 (s. v. „unmittelbar“). 3 Arndt Unmittelbarkeit, S. 6. 4 Ibid., S. 7. Gerhard Schreiber 392