Zärtlichkeit Zu den aristokratischen Quellen der bürgerlichen Empfindsamkeit
Zärtlichkeit Zu den aristokratischen Quellen der bürgerlichen Empfindsamkeit
复制标题
贵族权利的问题
DOI:
--
复制
发表时间:
2014
期刊:
影响因子:
--
通讯作者:
Burkhard Meyer
中科院分区:
文献类型:
--
作者:
Burkhard Meyer
ZusammenfassungIn der germanistischen Forschung geht man bis heute davon aus, dass die Epoche der Empfindsamkeit durch eine seit Ende der 1740er Jahre sich artikulierende «bürgerliche Gefühlskultur» geprägt sei. Anhand der Begriffsgeschichte der für den Empfindsamkeitsdiskurs maßgeblichen Kategorie der «Zärtlichkeit» argumentiert der vorliegende Beitrag dagegen, dass ein empfindsames Freundschafts- und Liebesideal bereits im vom französischen Amtsadel (noblesse des robes) geprägten französischen Barockroman, also gegen Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelt wurde. Aber auch die tragédie classique des zeitlebens als «tendre» etikettierten Racine lassen die gängigen Datierungen bzw. soziologischen Deutungen der Empfindsamkeit fragwürdig erscheinen. Der Beitrag macht daher den Vorschlag, das Theater der Empfindsamkeit anhand einer von Norbert Elias entwickelten Matrix der Internalisierung eines höfisch-aristokratischen Habitus neu zu deuten. Zudem muss dessen Genese in Deutschland wohl nicht auf das bürgerliche Trauerspiel bzw. das rührende Lustspiel, sondern auf die im Rahmen der Deutschen Schaubühne Gottscheds schon Anfang der 1740er Jahre entstandene empfindsame Herrschertragödie datiert werden.AbstractIn German Studies we still believe that the age of sentimentalism was mainly characterized by a bourgeois culture of feelings, emerging around 1745. In contrast to this dominating opinion, the history of the word «tenderness» - a keyword for sentimentalism - shows, that the new ideas of sensitive friendship and love were mainly coined by the Nobles of the Robe in Baroque times around 1650. The dominating sociological interpretations of sentimentalism as a «bourgeois» phenomenon also seem questionable if we remember the tragédie classique of the «tender Racine». My paper proposes to re-identify the theatre of sentimentalism by focusing on the idea of internalization of aristocratic habits, as Norbert Elias has developed it. Beside, the beginning of sentimental theatre is not the bourgeois domestic tragedy or the sentimental comedy (rührende Lustspiel), but the sentimental «royal drama» à la Racine and Voltaire, which was adapted in those german tragedies, which appeared in Gottscheds Deutscher Schaubühne already in the early 1740s.